Marktinformationen
Zum Charter ab Nürnberg
Nürnberg wird in Charterplanungen regelmäßig unterschätzt, obwohl der Standort zwei Vorteile hat, die selten zusammenkommen. Der erste ist die Lage: Fünf Kilometer bis zur Innenstadt, mit U-Bahn-Anschluss, das ist die kürzeste Anfahrt aller acht deutschen Standorte und liegt deutlich unter den 28,5 Kilometern in München. Der zweite ist die Betriebszeit. Nürnberg ist für den Betrieb rund um die Uhr zugelassen und nimmt deshalb Flüge auf, die wegen der Nachtflugverbote in München und Frankfurt nicht mehr landen dürfen. Für einen fränkischen Termin, der spät endet, gibt es in Bayern keine bessere Kombination.
Die Einschränkung ist die Bahn. Eine einzige Piste 10/28 mit 2.700 Metern mal 45 Metern trägt Turboprops, leichte, mittelgroße, super-midsize und schwere Jets im Regelfall ohne Weiteres. Bei Ultralangstreckenmustern mit maximalem Abfluggewicht, hohen Sommertemperaturen und ungünstiger Windrichtung wird sie zum begrenzenden Faktor. In diesen Fällen rechnen wir die Startstrecke einzeln nach und wählen zwischen reduzierter Tankfüllung mit Zwischenstopp in Shannon oder Keflavik und einem Abflug ab München. Weil es nur eine Bahn gibt, wirken zudem Bahninspektionen und Schneeräumung im Winter unmittelbar auf den gesamten Betrieb, was 20 bis 30 Minuten Reserve rechtfertigt.
Preislich ist Nürnberg auf kurzen europäischen Strecken einer der günstigsten deutschen Standorte. Ein leichter Jet kostet hier etwa 4.400 bis 5.200 EUR Blockstunde, ein mittelgroßer Jet 5.600 bis 6.500 EUR, ein schwerer Jet 9.800 bis 12.000 EUR. Der Vorteil liegt in der Geografie: Wien, Zürich und Prag liegen bei 55 Minuten oder weniger, Mailand bei 70 Minuten, Berlin bei 55 Minuten. Dubai ist mit 5 Stunden 55 Minuten die kürzeste Golfblockzeit aller acht Standorte. Nach Nordwesten dreht sich das Bild: New York dauert ab Nürnberg rund 25 Minuten länger als ab Hamburg. Weil München nur 45 Flugminuten entfernt ist, sind Positionierungen aus der dort stationierten Flotte günstig, was kurzfristige Anfragen begünstigt.
Die Saisonalität wird von einem der dichtesten Messekalender Deutschlands getragen. Die Spielwarenmesse im Januar oder Februar ist die internationalste Woche des Jahres und bringt Einkaufsdelegationen aus Asien und Nordamerika, BIOFACH und embedded world folgen im Frühjahr, die Nürnberger Motorshow und weitere Fachmessen verteilen sich über das Jahr. Weil das GAT klein ist, sind in diesen Wochen nicht Slots, sondern Standplätze der Engpass. Zwischen den Messen bleibt ein stabiler Grundverkehr aus Elektrotechnik, Automatisierung, Medizintechnik und Zulieferindustrie in Franken und der Oberpfalz. Von Dezember bis März laufen Alpenverbindungen nach Samedan, Innsbruck und Salzburg mit kurzen Blockzeiten, im Sommer dominieren Palma, Ibiza, Nizza und Olbia. In Messewochen planen Sie sieben bis zehn Tage Vorlauf ein, in Randmonaten reichen 24 bis 48 Stunden.