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Zum Charter ab Friedrichshafen
Friedrichshafen bedient eine Region, die wirtschaftlich stärker ist, als ihre Größe vermuten lässt. Am nördlichen Bodenseeufer sitzen Antriebstechnik, Motorenbau, Luft- und Raumfahrtzulieferer sowie Maschinenbau, und diese Unternehmen unterhalten Werke und Kunden in Nordamerika, China und Osteuropa. Daraus entsteht ein gleichmäßiger Werksverkehr mit Tagesrotationen nach Düsseldorf, Frankfurt, Wien, Paris und Mailand. Dazu kommt der Messestandort, dessen Frühjahrsveranstaltung für die allgemeine Luftfahrt jedes Jahr für einige Tage die gesamte Kapazität des Platzes bindet. Die dritte Säule ist privat: Bodenseetourismus, Festspielsaison in Bregenz, Segeln und Golf im Sommer sowie im Winter der Weg an den Arlberg, der in 90 bis 120 Minuten Fahrzeit erreichbar ist. Die Stadtmitte liegt drei Kilometer entfernt, Lindau rund 25 Minuten, Bregenz rund 35 Minuten.
Operativ ist Friedrichshafen ein Platz mit zwei klaren Grenzen. Die erste ist die Uhr: Werktags läuft der Betrieb von 06:00 bis 22:00 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen nur von 09:00 bis 20:00 Uhr, und Bewegungen außerhalb dieser Zeiten brauchen eine vorherige Erlaubnis, die am vorangehenden Werktag einzuholen ist. Das trifft vor allem Wochenendrotationen ins Mittelmeer, deren Rückflug am Sonntagabend häufig nicht mehr in die Betriebszeit passt. Die zweite Grenze ist die Leistung: Die Bahn 06/24 misst 2.356 Meter bei Schwellenhöhen von 1.334 und 1.367 Fuß, und an heißen Sommertagen liegt die Dichtehöhe deutlich darüber. Für Turboprops sowie leichte und mittelgroße Jets spielt das keine Rolle, bei Super-Midsize-Mustern rechnen wir konkret, und für schwere Jets mit Transatlantikladung ist Zürich, Stuttgart oder München der bessere Abflugort.
Preislich liegt Friedrichshafen im süddeutschen Mittelfeld. Ein Turboprop kostet etwa 2.900 bis 3.600 EUR Blockstunde, ein leichter Jet 4.400 bis 5.200 EUR, ein mittelgroßer Jet 5.600 bis 6.500 EUR und ein Super-Midsize-Jet 7.500 bis 8.800 EUR. Die Entgelte am Platz sind moderat, und die kurzen Wege im General Aviation Terminal halten Standzeiten gering. Zwei Posten treiben den Preis dennoch: die Positionierung, weil in Friedrichshafen wenig Charterflotte stationiert ist und Maschinen aus Zürich, Stuttgart, München oder Innsbruck kommen, sowie die Zuschläge für Bewegungen außerhalb der Betriebszeit. Wer den Abflug innerhalb der regulären Zeiten legt und beim Datum eine Verschiebung um wenige Stunden zulässt, senkt den Gesamtpreis spürbar.
Die Saison hat in Friedrichshafen einen deutlich sichtbaren Jahresrhythmus. Im Frühjahr setzt die Messewoche der allgemeinen Luftfahrt die stärkste Spitze des Jahres, mit Preisen 20 bis 30 % über dem Jahresmittel und gesonderter Voranmeldung für Anflüge. Von Juni bis September folgt der Sommerverkehr am See mit Zielen an der Côte d'Azur, auf den Balearen und in Kroatien, ergänzt um die Festspielsaison in Bregenz. Von Dezember bis März dominiert der Wintersportverkehr an den Arlberg, mit Spitzen an den Feiertagen und in den Ferienwochen. Die ruhigsten Monate sind November und Februar außerhalb der Ferien, dann sind kurzfristige Buchungen und Leerflüge am günstigsten. Wetterseitig prägen Nebel im Spätherbst, Föhnturbulenz im Winter und Alpengewitter im Sommer die Pufferzeiten, die wir mit 20 bis 40 Minuten ansetzen.