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Zum Charter ab Leipzig
Leipzig ist der ungewöhnlichste Geschäftsflughafen Deutschlands, weil er nachts arbeitet. Als europäisches Drehkreuz für Expressfracht läuft der Betrieb rund um die Uhr, und davon profitiert die Geschäftsluftfahrt unmittelbar: Abfertigung, Betankung, Enteisung, Zoll und Grenzkontrolle sind zu jeder Stunde besetzt. Die Nachfrage speist sich aus drei Quellen. Erstens aus der Logistikwirtschaft selbst, die internationale Managementverkehre nach Cincinnati, Dubai, Hongkong und Brüssel erzeugt. Zweitens aus der Automobilindustrie im Norden der Stadt, deren Werke Anlaufkurven, Abnahmen und Zuliefertermine mit hoher Taktung produzieren. Drittens aus der Leipziger Messe mit der Buchmesse im März als bekanntestem Termin. Wer aus Leipzig fliegt, plant deshalb häufig nicht die klassische Tagesrotation, sondern einen späten Abflug mit Ankunft am Zielort zum Geschäftsbeginn.
Infrastrukturell gibt es hier keine Engpässe, und das ist im deutschen Vergleich selten. Zwei parallele Bahnen mit je 3.600 Metern erlauben unabhängigen Betrieb, die Nordbahn ist 45 Meter breit, die Südbahn 60 Meter, beide sind in beiden Richtungen für Allwetterbetrieb der Kategorie IIIb ausgerüstet. Selbst Ultralangstreckenmuster starten mit maximalem Abfluggewicht ohne Einschränkung, und für Großraumflugzeuge ist der Platz ohnehin ausgelegt. Es gibt keine Slotkoordination, was bei kurzfristigen Anfragen entscheidend ist: Während in Frankfurt oder München um Zeitfenster verhandelt wird, ist in Leipzig die Frage nur, ob ein Flugzeug verfügbar ist. Der Preis dieser Freiheit ist die Entfernung: 20 Kilometer und rund 25 Minuten bis zur Leipziger Innenstadt, 25 Kilometer bis Halle, was bei Terminen im Zentrum eingeplant werden muss.
Preislich liegt Leipzig leicht unter dem deutschen Durchschnitt. Ein Turboprop kostet etwa 2.900 bis 3.600 EUR Blockstunde, ein leichter Jet 4.400 bis 5.200 EUR, ein mittelgroßer Jet 5.600 bis 6.500 EUR, ein Super-Midsize-Jet 7.500 bis 8.800 EUR, ein schwerer Jet 9.800 bis 12.000 EUR und ein Ultralangstreckenmuster 13.500 bis 17.000 EUR. Die Lande- und Abstellentgelte sind moderat, und weil der Platz nachts arbeitet, entfallen die andernorts üblichen Zuschläge für Bewegungen in den Randstunden. Der größte Hebel liegt in der Positionierung: Da in Leipzig selbst wenig Charterflotte stationiert ist, kommen Maschinen häufig aus Berlin, München, Prag oder dem Rhein-Main-Gebiet, was 1.500 bis 4.500 EUR kostet. Wer den Abflug um einige Stunden flexibel hält, findet oft eine Maschine, die ohnehin in der Nähe steht.
Die Saisonalität ist flacher als an den meisten deutschen Standorten, weil Logistik und Industrie das ganze Jahr über arbeiten. Die Spitzen setzt der Messekalender: Buchmesse im März, intec und Z im Frühjahr, Denkmal im Herbst, dazu Konzert- und Kulturtermine im Sommer. Von Juni bis August verlagert sich ein Teil der Nachfrage auf Ferienziele am Mittelmeer, weshalb Leerflüge Richtung Nizza, Palma und Split dann besonders günstig sind. Von November bis März dominieren Enteisung und Wintersportverkehr nach Innsbruck, Salzburg und Zürich. Der November und der Januar sind die ruhigsten Geschäftsmonate am Passagierverkehr, während der Frachtbetrieb im Weihnachtsgeschäft seinen Höhepunkt erreicht; für Geschäftsflüge bedeutet das gut verfügbare Standplätze bei gleichzeitig hoher Vorfeldaktivität.