Marktinformationen
Zum Charter ab Bremen
Bremen ist ein Industriestandort mit ungewöhnlich hoher Dichte an Luft- und Raumfahrt, und das prägt die Charternachfrage. Airbus fertigt hier die Hochauftriebssysteme der Verkehrsflugzeuge, OHB System und Ariane Group betreiben Raumfahrtprogramme, das Mercedes-Benz-Werk in Sebaldsbrück ist eines der größten Pkw-Werke des Konzerns, dazu kommen Logistik über die BLG und die Häfen in Bremen und Bremerhaven. Die typische Buchung ist deshalb kein Freizeitflug, sondern eine Tagesrotation mit sechs bis acht Fachleuten, Technikkoffern und einem festen Rückflugfenster. Toulouse, Hamburg, München, Stuttgart und Sevilla dominieren den Streckenmix, gefolgt von London und Zürich. Weil der Flughafen nur 3,5 Kilometer vom Marktplatz entfernt liegt, funktioniert das Modell zeitlich sehr gut: Von der Vorfahrt am General Aviation Terminal bis zur Maschine vergehen wenige Minuten, und die Rückkehr ins Büro dauert kaum länger als eine Stadtfahrt.
Die zwei operativen Besonderheiten des Platzes sind die Bahnlänge und die Nacht. Die Hauptbahn 09/27 hat zwar eine befestigte Fläche von 2.634 Metern, verfügbar für Start und Landung sind aber rund 2.040 Meter bei 45 Metern Breite. Für Turboprops, leichte, mittelgroße und super-midsize Muster ist das ohne Belang. Bei schweren Jets mit voller Tankfüllung wird es zur Rechenaufgabe, insbesondere bei Temperaturen über 25 Grad, nasser Bahn oder Rückenwind. Die zweite Grenze ist die Uhrzeit: Starts und Landungen sind von 22:00 bis 07:00 Uhr untersagt, Kapitel-3-Muster dürfen bis 22:30 Uhr und ab 06:00 Uhr verkehren, zwei Home-Carrier-Landungen sind bis 23:00 Uhr zulässig. Für einen bewusst spät geplanten Rückflug aus Südeuropa ist das zu eng, weshalb wir in solchen Fällen Hannover als Ankunftsflughafen vorschlagen, das rund um die Uhr betrieben wird.
Preislich liegt Bremen leicht unter dem deutschen Durchschnitt. Ein Turboprop kostet hier etwa 2.900 bis 3.600 EUR Blockstunde, ein leichter Jet 4.400 bis 5.200 EUR, ein mittelgroßer Jet 5.600 bis 6.500 EUR, ein Super-Midsize-Jet 7.500 bis 8.800 EUR und ein schwerer Jet 9.800 bis 12.000 EUR. Zwei Faktoren senken die Rechnung: Erstens ist mit Atlas Air Service ein Betreiber mit Hangar und Wartung am Platz, wodurch bei kurzfristigen Anfragen die Leerpositionierung von 1.500 bis 4.000 EUR häufig entfällt. Zweitens sind Lande- und Abstellentgelte in Bremen niedriger als in Hamburg oder Düsseldorf, was bei mehrtägigen Standzeiten deutlich zu Buche schlägt. Gegenläufig wirken Zuschläge, wenn ein schweres Muster wegen der Startstrecke nach Hamburg verlagert werden muss; diese Position weisen wir im Angebot immer separat aus.
Die Saisonalität folgt dem Industriekalender und nicht dem Tourismus. Von Januar bis Juni und von September bis November läuft der Werksverkehr am dichtesten, mit Spitzen um Quartalsschlüsse und um Auslieferungs- und Abnahmetermine in der Luftfahrt. Die Space Tech Expo Europe in der Messe Bremen im November bringt internationale Delegationen und ist die dichteste Einzelwoche des Jahres. Der Juli und August sind die schwächsten Geschäftsmonate und gleichzeitig die beste Zeit für Leerflüge Richtung Mittelmeer, weil Ferienrotationen nach Palma, Nizza und Split viele Rückflüge ohne Passagiere erzeugen. Von Dezember bis Februar bleibt ein Grundverkehr aus Alpenzielen und Zürich, dazu kommt der Enteisungsaufwand, der die Abflugkette um 15 bis 30 Minuten verlängert.