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Zum Charter ab Dresden
Dresden ist heute vor allem ein Halbleiterstandort, und das bestimmt den Charterverkehr stärker als der Tourismus. Im Cluster Silicon Saxony arbeiten Waferfabs, Anlagenbauer, Materialzulieferer und Forschungsinstitute; jede Investitionsentscheidung, Anlagenabnahme und Qualifizierungskampagne bringt Delegationen aus Kalifornien, Taiwan, Südkorea, Japan und Israel. Diese Gruppen reisen selten allein: Sechs bis acht Personen mit Technikkoffern sind der Normalfall, weshalb der mittelgroße Jet die häufigste Klasse ist. Dazu kommt der Werksverkehr der Elbe Flugzeugwerke mit Frachterumbauten, der Kongress- und Kulturverkehr um die Semperoper und ein stabiler Grundverkehr aus Maschinenbau und Medizintechnik. Die Altstadt ist neun Kilometer entfernt, die Fahrzeit vom GAT beträgt rund 20 Minuten, bei Veranstaltungen im Zentrum etwas mehr.
Operativ ist Dresden ein Tagesflughafen. Die Bahn 04/22 mit 2.850 Metern Länge und 60 Metern Breite stellt für alle Klassen bis einschließlich schwer keine Hürde dar, und das ILS macht Anflüge auch bei Nebel im Elbtal verlässlich. Die Grenze ist die Uhr: In der Nachtzeit von 22:00 bis 06:00 Uhr sind planmäßige Starts und Landungen des gewerblichen Verkehrs nur von 22:00 bis 23:30 Uhr und von 05:30 bis 06:00 Uhr erlaubt, und der Lufttaxiverkehr ist von dieser Öffnung ausdrücklich ausgenommen. Ein bewusst spät geplanter Rückflug aus Istanbul oder Madrid funktioniert deshalb nicht. Wir legen Abflüge auf den Nachmittag, planen Landungen mit 45 bis 60 Minuten Reserve vor 22:00 Uhr und weichen bei echten Nachtbewegungen nach Leipzig/Halle aus, das rund um die Uhr betrieben wird und nur 100 Kilometer entfernt liegt.
Preislich liegt Dresden im deutschen Mittelfeld, mit einem Aufschlag bei kurzfristigen Anfragen. Ein Turboprop kostet etwa 2.900 bis 3.600 EUR Blockstunde, ein leichter Jet 4.400 bis 5.200 EUR, ein mittelgroßer Jet 5.600 bis 6.500 EUR, ein Super-Midsize-Jet 7.500 bis 8.800 EUR und ein schwerer Jet 9.800 bis 12.000 EUR. Der Unterschied zu Frankfurt oder München entsteht nicht bei den Flughafenentgelten, die hier moderat sind, sondern bei der Positionierung: In Dresden ist kaum Charterflotte stationiert, sodass die Maschine oft aus Berlin, Prag, München oder Leipzig anfliegt. Diese Leerpositionierung kostet je nach Klasse 1.500 bis 4.500 EUR und lässt sich am besten dadurch vermeiden, dass man den Flugtag um einige Stunden flexibel hält.
Die Saisonalität ist gleichmäßiger als an vielen anderen deutschen Standorten. Der Halbleiterverkehr läuft von Januar bis Juli und von September bis November nahezu konstant, mit Spitzen um Quartalsschlüsse und Investitionsentscheidungen. Der Kulturkalender setzt eigene Marken: Semperopernball im Winter, Dresdner Musikfestspiele im Mai und Juni, Filmnächte am Elbufer im Sommer und der Striezelmarkt im Dezember, der ab Ende November Wochenendverkehr aus Westeuropa bringt. Der August ist der schwächste Geschäftsmonat und damit der beste Zeitpunkt für Leerflüge Richtung Mittelmeer. Von Dezember bis Februar bestimmen Enteisung und Nebel die Pufferzeiten, die wir mit 20 bis 40 Minuten ansetzen.