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Zum Charter ab Norderney
Norderney ist der kleinste Standort in diesem Netz und funktioniert nach eigenen Regeln. Der Verkehr ist fast vollständig privat motiviert: Kur- und Thalassogäste, Zweitwohnsitzbesitzer aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, Familien in den Ferienwochen und eine wachsende Zahl von Kurzaufenthalten außerhalb der Hauptsaison. Der Flugplatz liegt drei Kilometer östlich des Ortskerns, sodass die Gäste wenige Minuten nach der Landung im Hotel oder im Ferienhaus sind. Genau diese Zeitersparnis ist das Argument: Die Alternative besteht aus Anfahrt nach Norddeich, Parken und einer tidenabhängig getakteten Fährverbindung, was aus dem Rheinland leicht einen halben Tag beansprucht. Geschäftlicher Verkehr spielt eine untergeordnete Rolle und beschränkt sich meist auf Termine der Inselverwaltung, der Kurbetriebe und der Bauwirtschaft.
Operativ ist Norderney ein Turboprop-Platz, und das ist keine Frage der Bequemlichkeit, sondern der Zahlen. Die Bahn 08/26 misst 1.000 Meter bei einer Breite von 20 Metern, hat Nachtbefeuerung und liegt auf nur 6 Fuß über dem Meer. Die Länge reicht für gängige Turboprops, die Breite jedoch liegt unter dem, was viele Betreiber für ihre Jetmuster freigeben. Wir prüfen deshalb für jedes konkrete Flugzeug die Betriebsgrenzen des Halters, bevor wir eine Direktlandung anbieten, und planen Jetstrecken grundsätzlich ab Bremen mit 110 Kilometern Entfernung oder ab Hamburg. Die Verfügbarkeit von Instrumentenanflugverfahren ist im Einzelfall zu verifizieren, weshalb jeder Anflug mit Ausweichoption auf Bremen, Emden oder Wilhelmshaven geplant wird.
Preislich ist Norderney überschaubar, solange man bei der Turboprop-Klasse bleibt. Ein Turboprop kostet etwa 2.900 bis 3.600 EUR Blockstunde, und weil die Strecken kurz sind, bleiben die Gesamtpreise moderat. Teurer wird es, sobald ein Jet ins Spiel kommt, denn dann fallen zwei Abfertigungen an, eine in Bremen oder Hamburg und eine auf der Insel, dazu die Umsteigezeit von 30 bis 45 Minuten. Diese Kombination lohnt sich ab etwa 600 Kilometern Gesamtstrecke oder wenn mehr als sechs Personen mit umfangreichem Gepäck reisen. Der größte Einzelposten bleibt in beiden Fällen die Positionierung, weil auf der Insel kein Flugzeug stationiert ist und jede Maschine vom Festland anfliegt.
Die Saison ist ausgeprägter als an jedem Festlandstandort, und die Betriebszeiten verstärken das noch. Von Ostern bis Ende Oktober reicht der Flugtag im Sommer von 08:00 bis 19:00 Uhr, was Tagesrotationen und späte Anreisen erlaubt; in dieser Zeit liegen Nachfrage und Preise deutlich über dem Jahresmittel, mit Spitzen zu Pfingsten und in den Sommerferien. Ab dem 16. November schrumpft der Flugtag auf 09:00 bis 13:30 Uhr, was praktisch nur noch Vormittagsbewegungen zulässt und den Winterverkehr auf ein Minimum reduziert. Wer in der kalten Jahreshälfte fliegt, plant den Rückflug am Folgetag ein und rechnet mit Enteisung sowie mit Windlagen, die Anflüge verzögern können. Die beste Kombination aus Preis, Wetter und Verfügbarkeit bieten Mai, Juni und September.