Marktinformationen
Zum Charter ab München
München ist der operativ komfortabelste und gleichzeitig der regulatorisch strengste der großen deutschen Geschäftsluftfahrt-Standorte. Zwei parallele Bahnen mit je 4.000 Metern bedeuten, dass kein Flugzeugmuster an eine Leistungsgrenze stößt, auch ein voll getankter Global 7500 nach Singapur nicht. Das General Aviation Terminal liegt im Osten des Campus, hat eine eigene Zufahrt, Sicherheits- und Passkontrolle im Haus und einen Weg zum Flugzeug, der sich in Minuten messen lässt. Vier Abfertiger arbeiten im Terminal, dazu Lufthansa Technik für technische Zwischenfälle. Der Flughafen schreibt keinen Handler vor, deshalb lässt sich Abfertigung nach Preis und Service einkaufen. Was München von Berlin unterscheidet, ist die Nacht: ab 22:00 Uhr ist Schluss, und daran ändert kein Handlingvertrag etwas.
Die Flughafenwahl im Raum München ist eine echte Abwägung und nicht bloß eine Formalie. MUC bietet Bahnlänge, Zoll rund um die Uhr im Regelbetrieb der Öffnungszeiten und die volle Betreiberauswahl, kostet aber 40 Minuten Fahrzeit und einen Slot. Oberpfaffenhofen liegt 20 Kilometer westlich, ist über die A96 in etwa 25 Minuten erreichbar, kennt keine Slotkoordination und fertigt in 10 bis 15 Minuten ab. Dafür endet der Betriebstag dort um 21:00 Uhr, es gilt ein PPR-Verfahren, und an Sonn- und Feiertagen ist die Zahl der Bewegungen kontingentiert. Augsburg ist mit rund 1.500 Metern verfügbarer Startstrecke die Turboprop- und Light-Jet-Reserve für Messewochen. Für Termine in Schwabing, der Maxvorstadt oder im Werksviertel entscheidet meist die Fahrzeit, für Termine im Fünfseenland fast immer Oberpfaffenhofen.
Preislich liegt München im deutschen Mittelfeld, die Streuung zwischen den Betreibern ist aber größer als an jedem anderen deutschen Standort. Ein leichter Jet fährt hier rund 4.400 bis 5.200 EUR Blockstunde, ein mittelgroßer Jet 5.600 bis 6.500 EUR, ein schwerer Jet 9.800 bis 12.000 EUR. Die Rechnung entscheidet sich seltener am Stundensatz als an drei Nebenpositionen: Positionierung, Steuern und Standplatzgebühr in Spitzenwochen. Weil im süddeutschen Raum viele Betreiber Flugzeuge stationiert haben, in München, Oberpfaffenhofen, Augsburg, Salzburg, Innsbruck und Zürich, finden wir für kurzfristige Anfragen oft ein Flugzeug ohne Leerpositionierung. Das ist der größte einzelne Kostenhebel und der Grund, warum wir jede Anfrage bei deutschen, österreichischen und schweizerischen Anbietern parallel ausschreiben.
Die Saisonalität in München ist ausgeprägter als in Frankfurt oder Düsseldorf, weil zwei Kurven übereinanderliegen. Die Geschäftskurve folgt dem Messekalender: ISPO im Januar, bauma im Vierjahresrhythmus im Frühjahr, IAA Mobility im September, dazu die Sicherheitskonferenz im Februar mit erheblichem Delegationsverkehr. Die zweite Kurve ist der Alpenverkehr. Von Dezember bis März geht es südwärts nach Samedan, Sion, Innsbruck und Salzburg, mit Leerflügen zurück am Sonntagabend und Montagmorgen. Ende September und Anfang Oktober kommt das Oktoberfest hinzu, das für zwei Wochen praktisch jede Standplatzreserve am GAT aufbraucht. Im Juli und August verlagert sich die Nachfrage an das Mittelmeer, Nizza, Olbia, Palma und Mykonos, während der innerdeutsche Verkehr merklich nachlässt. Wer im Oktober oder Januar fliegt, sollte 10 bis 14 Tage Vorlauf einplanen, im Juni oder November genügen meist 48 Stunden.