Marktinformationen
Zum Charter ab Hamburg
Hamburg hat einen strukturellen Vorteil, der in Angeboten selten auftaucht: die Nähe zur Stadt. Mit 8,5 Kilometern zwischen Flughafen und Innenstadt liegt kein anderer großer deutscher Verkehrsflughafen dichter am Ziel. Das Geschäftsfliegerzentrum in Gebäude 345 verstärkt diesen Effekt, weil es westlich von Terminal 2 eine eigene Zufahrt ohne Schranken und direkte Parkplätze hat. Von der Vorfahrt bis zur Maschine sind es wenige Minuten, Grenzkontrolle und Zoll sitzen im Haus. Fünf Abfertiger arbeiten auf dem Vorfeld, und weil der Flughafen keinen vorschreibt, ist Handling in Hamburg tatsächlich ein Wettbewerbsmarkt. Für kurze Termine in der HafenCity oder an der Alster ist Hamburg damit einer der schnellsten Standorte Europas.
Die Einschränkung ist die Nacht. Regulärer Verkehr ist nur zwischen 06:00 und 23:00 Uhr erlaubt, danach greifen die Nachtflugbeschränkungen. Von 23:00 bis 24:00 Uhr dürfen ausschließlich verspätete Bewegungen abgewickelt werden, deren planmäßige Zeit vor 23:00 Uhr lag, und die Unvermeidbarkeit wird von der Fluglärmschutzbeauftragten geprüft. Das ist keine Reserve, auf die sich ein Charterplan stützen kann. Wer aus London oder Athen spät zurückfliegen muss, landet entweder vor 23:00 Uhr oder in Lübeck. Lübeck-Blankensee hat mit 2.102 Metern und ILS CAT II eine für Turboprops, leichte und mittelgroße Jets vollwertige Infrastruktur, aber die Betriebszeit endet gegen 20:00 Uhr und die Fahrzeit nach Hamburg beträgt 55 Minuten. Beide Nachteile lassen sich nur mit Vorlauf umgehen.
Preislich liegt Hamburg im deutschen Durchschnitt, mit einer Besonderheit auf Nordstrecken. Ein leichter Jet kostet hier etwa 4.400 bis 5.200 EUR Blockstunde, ein mittelgroßer Jet 5.600 bis 6.500 EUR, ein schwerer Jet 9.800 bis 12.000 EUR. Weil in Hamburg mehrere Betreiber mit eigener Flotte stationiert sind, entfällt bei kurzfristigen Anfragen häufig die Leerpositionierung, was 1.500 bis 4.000 EUR pro Strecke ausmacht. Auf Transatlantikstrecken hat Hamburg außerdem einen geografischen Vorteil: Die Nordatlantikroute liegt näher, die Blockzeit nach New York ist um 15 bis 25 Minuten kürzer als ab München. Bei einem schweren Jet entspricht das rund 4.000 bis 5.000 EUR Ersparnis pro Richtung.
Die Saisonalität ist in Hamburg branchengetrieben und deshalb gut vorhersehbar. Die maritime Wirtschaft bestimmt die Kurve: Die SMM im September ist die dichteste Woche des Jahres, dazu kommen Reederei- und Versicherungstermine in den Wochen um Quartalsschlüsse. Airbus in Finkenwerder erzeugt einen eigenen, sehr planbaren Verkehr aus Kundenabnahmen und Auslieferungsterminen, der über das Jahr verteilt ist und regelmäßig internationale Delegationen bringt. Von Dezember bis März laufen Alpenverbindungen nach Innsbruck, Salzburg und Zürich, allerdings schwächer als ab München oder Stuttgart, weil die Blockzeiten länger sind. Im Sommer verlagert sich die Nachfrage nach Sylt, Kopenhagen, an die schwedische Westküste und ans Mittelmeer. Der August ist der schwächste Geschäftsmonat und gleichzeitig der beste Zeitpunkt für Leerflüge Richtung Süden.