Marktinformationen
Zum Charter ab Frankfurt am Main
Frankfurt ist der einzige deutsche Standort, an dem die Geschäftsluftfahrt strukturell in der zweiten Reihe steht. Am FRA laufen täglich rund 1.400 Linienbewegungen, und die Slotkoordination priorisiert planbaren Verkehr. Für einen Charterflug bedeutet das: Die Infrastruktur ist erstklassig, vier Bahnen, drei davon mit 4.000 Metern, Zoll und Bundespolizei im General Aviation Terminal, fünf Abfertiger im Wettbewerb, aber die Wunschabflugzeit ist selten verfügbar. Genau deshalb ist Egelsbach entstanden und genau deshalb ist es geblieben. Der Platz zehn Kilometer südöstlich hat historisch bis zu 77.000 Bewegungen pro Jahr abgewickelt und war damit der meistgenutzte Platz der allgemeinen Luftfahrt in Deutschland. Wer in Frankfurt professionell chartert, denkt nicht in einem Flughafen, sondern in zwei.
Die Aufteilung folgt der Flugzeugklasse. Egelsbach hat eine asphaltierte Bahn von rund 1.400 Metern: Turboprops und leichte Jets fliegen dort ohne Nachdenken, viele mittelgroße Muster auch, aber mit Zuladungsrechnung. Schwere Jets und Ultralangstreckenmuster gehören an den FRA, dort startet auch ein voll getankter G650ER ohne Einschränkung. Die zweite Größe ist die Zeit am Boden. In Egelsbach steht der Wagen praktisch an der Maschine, die Abfertigung dauert Minuten, es gibt keine Slotwarte. Am FRA GAT ist die Abfertigung ebenfalls schnell, aber die Rollwege und Wartepositionen sind lang, und in der Abendspitze kommen leicht 20 bis 30 Minuten hinzu. Für Termine im Bankenviertel liegen beide Plätze fahrzeitlich fast gleich, für Darmstadt und Offenbach ist Egelsbach klar vorne.
Preislich ist Frankfurt der wettbewerbsintensivste Markt Deutschlands, weil die Betreiberdichte im Rhein-Main-Gebiet hoch ist. Ein leichter Jet kostet hier etwa 4.300 bis 5.100 EUR Blockstunde, ein mittelgroßer Jet 5.500 bis 6.400 EUR, ein schwerer Jet 9.800 bis 12.000 EUR. Was die Rechnung am FRA verteuert, sind Positionen jenseits des Stundensatzes: Abstellgebühren in Spitzenwochen, verlängerte Standzeiten wegen Slotlagen und im Winter Enteisung, weil die Positionen mit dem Linienverkehr geteilt werden. In Egelsbach fallen diese Posten fast vollständig weg. Deshalb liegt der Gesamtpreis für dieselbe Strecke mit demselben Flugzeug ab Egelsbach in der Praxis oft 5 bis 12 % niedriger als ab FRA.
Die Saisonalität in Frankfurt folgt dem Messekalender und dem Finanzjahr. Die Frankfurter Buchmesse im Oktober und die IAA Mobility im September sind die härtesten Wochen, dazu Achema und Light + Building im Frühjahr. In diesen Zeiträumen sind nicht nur Slots knapp, sondern auch Standplätze und Hotelkapazität für Crews, was Positionierungskosten treibt. Das Finanzjahr sorgt für eine zweite Kurve: Bilanzsaison im Februar und März sowie die Wochen vor Quartalsende bringen kurzfristige Tagesrotationen nach Zürich, London, Luxemburg und Paris. Im Juli und August fällt der Geschäftsverkehr deutlich ab, während die Mittelmeerstrecken nach Nizza, Palma, Olbia und Athen anziehen. Von Dezember bis März laufen zusätzlich Alpenverbindungen nach Sion, Innsbruck und Samedan, mit Leerflügen nordwärts am Sonntagabend. Wer in Messewochen fliegt, plant 10 bis 14 Tage Vorlauf ein, in Randmonaten genügen 24 bis 48 Stunden.